Lehrer sollen Gewalttypen kennenlernen

Ein bisschen enttäuscht war ich ja schon. Da dachte ich, Lehramtsstudenten würden in Zukunft während ihrer Ausbildung Karate, Kung-Fu oder Taekwondo lernen müssen, um sich gegen aggressive Schüler zur Wehr setzen und ihnen Grenzen aufzeigen zu können. Gab es doch in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Übergriffe gegen sie. Dem wird allerdings nicht so sein. Rebecca Friedmann, Leiterin des Weiterbildungsprojekts „Lehrer lernen den Umgang mit gewaltätigen Schülern“ an der FU Berlin, sagt: „Wir brauchen kein Karate, sondern Wissensvermittlung.“ An den Universitäten werden also auch weiterhin die Gewaltphänomene von Schülern vor allem wissenschaftlich untersucht, den Lehrern aber immerhin diese Erkenntnisse mit auf den Weg mit in den Alltag gegeben.

Statt also selbst die Faust einzusetzen, sollen Pädagogen gewaltbereite Jugendliche in sekundenschnelle einem der drei Typen zuordnen: dem instrumentellen Typ, dem reaktiv-aggressivem Typ oder dem Frust-Typ. Und anhand dieses Erkennens dann Konsequenzen für ihr Handeln ableiten. Denn während bei ersterem Sanktionen und Strafen Wirkung zeigen, bei denen auch schon ein Wachschutz an Schulen helfen würde, müssen für die beiden anderen Typen individuelle Strategien entwickelt werden, die ihnen helfen sollen, derartige Situationen unter Kontrolle zu halten. Gerade der Frust-Typ ist in seiner Lage meist einfach nur auf der Suche nach einem Opfer, an dem er seine Frustration ausleben und sein Selbstwertgefühl wieder aufbauen kann. Hoffentlich wird das nicht gerade der Lehrer sein? Und hoffentlich wird der Lehrer nicht gleichzeitig mit mehreren Typen konfrontiert?

Eine Erkenntnis bisheriger Untersuchungen ist, dass es sich bei den Gewalttätern um eine heterogene Gruppe handelt – jeder einzelne hat sein ganz eigenes Motiv, dass es zu erkennen gilt, um es zu behandeln. Für Lehrer ist es weiterhin wichtig, mit einer wertfreien Haltung auf die Gewalttäter zu zugehen. Moralisierung bringe meist nichts.

Die Nachfrage von Lehrer nach derartigen Angeboten sei da, auch wenn sie in der Freizeit besucht werden müssen. Allerdings gibt es gerade mal für 400 Lehrer Weiterbildungsplätze, viel zu wenig. Problematisch ist auch, dass, wie Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall von der Senatsbildungsverwaltung Berlin bestätigt, alle Schulformen mit derartigen Problemen zu kämpfen haben, also alle Lehrer betroffen sein können.

Be Sociable, Share!

Kommentare

Leave a Reply