Das Erbe

Vielleicht hätte ich kurz überlegt. Aber ausgeschlagen hätte ich dieses Erbe sicherlich auch nicht. Obwohl es in einer Stadt liegt, der ich nur relativ wenig abgewinnen kann. Sympathisch dagegen ist, dass es nicht im überrenovierten Kern dieser deutschen Ostmetropole zu finden ist, sondern eher am Rand, in der Nähe das Grüne.

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Die Fassade ist runtergekommen, keine Frage. Immerhin wurde wahrscheinlich auch 30 Jahre nichts mehr an dem Objekt getan. Und trotzdem sind die Details noch gut zu erkennen. Kleine Figuren und Malereien werden sich auch noch in naher Zukunft renovieren lassen – insofern das nötige Kleingeld vorhanden ist. 1903 hatte man es noch. Ein Wunder, dass es in der Wendezeit nicht gleich von einem gewissenlosen Spekulanten übernommen und verschandelt wurde. Der ehemalige Besitzer wusste wohl genau, welchen Schatz er da hatte. Ebenso sein Erbe, auch wenn in letzter Zeit anscheinend ganz lukrative Angebote eingegangen sind, gekoppelt an Drohungen, das Denkmalschutzamt einzuschalten. Doch glücklicherweise bleibt der Erbe beharrlich und hart. Ein solches Schmuckstück wird man ansonsten wohl auch nie mehr sein eigen nennen können.

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Doch bevor es an die Hülle geht, wartet im Inneren eine Menge Arbeit. Die langen Jahre der Unbewohntheit haben auch dort ihre Spuren hinterlassen. Die Natur hat Einzug gehalten, hat das Glas der Fenster zwar wohl nicht alleine beseitigt, die Öffnungen dann aber dankend angenommen.

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Auch der Mensch hat nicht unerheblich zum Verfall beigetragen. In Zeiten der Planwirtschaft und dem Mangel an so manchen Gütern, wurde vor Diebstahl nicht halt gemacht. Begehrt waren Holzdielen, ganze Zimmer müssen mit denen nun neu bestückt werden.

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Ebenso scheinen Kacheln Mangelware gewesen zu sein. Ganze Wandzüge wurden von ihnen befreit, was äußerst ärgerlich ist, da nun Abdrücke der Reste gemacht werden müssen, um das alte Bild wieder herzustellen.

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Doch wenn eines Tages auch wieder sämtliche Badezimmer …

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… zu altem und neuem Glanz gefunden haben, ebenso die Küche wieder voll funktionsfähig sein wird …

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… dann wird das Erbe ein ganz persönlicher, kleiner Palast werden. Denn das Haus bietet nicht nur auf drei Etagen ausreichend Platz und Raum für allen möglichen Luxus und Hobbies, sondern auch einen großen Garten, in dem das ganze Kindervolk, das alternativ angeschafft werden kann, um das Haus zu bevölkern, alle Möglichkeiten hat.

Irgendwie bin ich ein wenig neidisch, obwohl ich die ganzen Renovierungsarbeiten wahrscheinlich niemals alleine gestemmt bekommen würde. Ganz im Gegensatz zum jetzigen Besitzer.

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