links for 2008-07-21

Ab in die Heimat

Die Straen in Neuklln sind leerer geworden. Der Besitzer des kleinen Trdelladens vorne am Eck hat sich fr sechs Wochen auf den Weg in die Osttrkei gemacht, in das Gebiet nahe der iranischen und aserbaidschanischen Grenze. Drei ganze Tage und noch einen halben ist er dorthin unterwegs, ber den gesamten Zeitraum der Sommerferien. Seinen Laden fhrt ein Bekannter in dieser Zeit weiter. Ich wei nicht, was zwischen den beiden abgemacht ist, aber regelmig macht die Vertretung nicht auf.
Die Frau des Mannes, den ich jeden morgen beim Bcker treffe, ist ebenfalls fr vier Wochen in ihre trkische Heimat gereist, etwa in die selbe Gegend wie der Trdelbesitzer. Sie ist geflogen, zweieinhalb Stunden, hat der Mann mir erzhlt. Er und sein Sohn schaffen es diesen Sommer leider nicht, sie haben keinen Urlaub bekommen, ansonsten wren sie auch zusammen mit dem Auto losgefahren. Seine Frau trifft nicht nur viele Verwandte und Freunde, die dort leben, sondern auch Schwestern, die seit ber 20 Jahren in der Nhe von Kln wohnen.
Die Sprechstundenhilfe meiner Zahnrztin ist fr drei Wochen ans stliche Schwarze Meer geflogen, der Gegend, aus der ihre Eltern kommen. Es ist fr sie ihre Heimat, sagt sie, obwohl sie hier geboren ist. Ihre Ferien wird sie in der Nhe von Trabzon verbringen. Letztes Jahr hat sie es nicht geschafft, doch dieses Mal hat sie wieder die Reisekosten zusammenbekommen.
Der kleine arabische Laden vorne an der anderen Straenecke, der in dem sich die Besucher immer zum Wasserpfeife rauchen treffen, ist seit einigen Tagen nicht mehr so gut besucht. Nur noch vereinzelt treffen sich dort die Mnner, die ansonsten das gesamte Eck bevlkern.
Die Straen in Neuklln sind leerer geworden, die Menschen fahren nach Hause.

Zitat

“Amateure suchen nach Inspiration; wir anderen stehen auf und machen uns an die Arbeit.”

(nach Chuck Close, gefunden in Jedermann von Philip Roth)