links for 2009-06-29

Fahrt zur Hölle

Nichts gelernt. So wird man sich wohl eines Tages erinnern an die Wirtschaftskrise im Jahr 2009. Nach Monaten der Panik, der Konjunkturprogramme, Pleiten, Massenentlassungen und Teilverstaatlichungen lachen vor allem diejenigen, die Teil der Ursache waren und als eine der ersten von den staatlichen Hilfen profitierten. Es geht um die Banken, die nach einer kurzen Phase der aufgesetzten und öffentlichen Demut erst im Stillen, später so als sei niemals etwas gewesen, weiter auf Risiko und den schnellen Erfolg setzen, der ihnen doch so wichtig für das Ego ist. Sie reizen das System weiter aus, vergessen alle zuvor eingestandenen Fehler, leben in Saus und Braus, egal ob sie Verpflichtungen unterschrieben haben, die ihnen das öffentliche zur Schau stellen ihrer wieder in den sechsstelligen Bereich gestiegen Boni verbietet – was wiederum nur ein weiterer Hohn gegenüber den Steuerzahlern auf der ganzen Welt ist, die ihnen den Fortbestand ihres Lebens und Arbeitsplatzes sicherten. Sie treiben das System in nur wenigen Jahren zum Kollaps und werden verantwortlich für große gesellschaftliche Umwälzungen sein. Das Ganze erinnert ein wenig an das biblische Babylon. Aber keine Sorge: Sie werden ihren Spaß gehabt haben. Und auch weiterhin lernresistent sein, wie ich über einen jungen Mitarbeiter einer gerade fusionierten Bank erfahren habe: „Es geht doch schon wieder aufwärts, da können wir dann doch so weitermachen.“

Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden

Too much of anything
Is never enough
Too much of everything
Is never enough

You need more You need more You need more
(Pet Shop Boys – Love etc.)

Es mag zu den ganzen Social Networks und Web 2.0-Anwendungen die unterschiedlichsten Meinungen geben, die von sinnvollem Netzwerken, Interaktivität, freier Meinungsäußerung bis hin zur Aufgabe der Privatsphäre gehen.
Ein positiver Aspekt dürfte auf jeden Fall sein, dass es unter den Unternehmen zu einem Umdenken kommt, geraten sie doch immer stärker unter Beobachtung.

Vorbei sollte es von daher auch mit den Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden der Unternehmensführungen sein, nach denen sich so mancher Mitarbeiter bestimmt fragt: „Ist dies tatsächlich das Unternehmen, für das ich arbeite? Von all den schönen Dingen, von denen da die Rede war, habe ich noch niemals etwas mitbekommen oder gespürt.“

In Social Networks, und mehr noch in Mitarbeiterbewertungsportalen, werden Unternehmen auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft, von Mitarbeitern anhand unterschiedlichster Parameter bewertet. Diese Ergebnisse stehen dann für jedermann sichtbar im Internet und werden gerade von Bewerbern oder potenziellen Mitarbeitern begutachtet, die sich ein Bild von möglichen, zukünftigen Arbeitgebern machen wollen. In Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels sowie des demographischen Wandels können überhand nehmende unangenehme Kommentare da immense Folgen haben.

Klar, es kann nicht immer alles super sein und es gibt immer Mitarbeiter, die mit irgendetwas oder irgendwem unzufrieden sind – das lässt sich nicht vermeiden. Authentizität und Ehrlichkeit werden jedoch zu immer zentraleren Gesichtspunkten, um sich glaubhaft gegenüber der Außenwelt darzustellen. Und der „leichteste“ Weg, zur Verbesserung der Reputation ist wohl der an einem Employer Branding-Fachkongress von Prof. Dr. Wolfgang Jäger vorgetragene: „Erfüllen Sie die Erwartungen.“ Einfach gesagt, schwer in der Umsetzung. Aber vorbei kommt man daran wohl immer schwieriger.

 

b4shot.de jetzt auch bei Twitter

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, wie ich Twitter einschätzen soll, was es tatsächlich bringt, ob es nicht nur eine hippe Spielerei ist. Doch ohne einen Versuch zu starten, werde ich es voraussichtlich auch niemals rausfinden. Deshalb gibt es seit heute dort einen Account von mir als Ergänzung zu b4shot.de: https://twitter.com/b4shot.

links for 2009-06-19

Zitat zur Krise

„Die Probleme, die es in der Welt gibt, sind nicht mir der gleichen Denkweise zu lösen, die sie erzeugt hat.“
Albert Einstein

I’m a survivor

Gibt es eigentlich Erhebungen oder Untersuchungen darüber, wie die Arbeit derjenigen verläuft, die nach einer Entlassungeswelle im Unternehmen verbleiben?
Ein Arbeitspsychologe stellte in einem Vortrag die Behauptung auf, deren Leistung werde aufgrund der Angst und Unsicherheit selbst bald an der Reihe zu sein derart geschwächt, dass es eigentlich sinnvoll sei, sämtliche Mitarbeiter zu halten.

Würde man die Situation vor dem Kontext des demographischen Wandels sowie des Fach- und Führungskräftemangels betrachten, dann hat der Mann sicherlich recht. Doch davon einmal losgelöst, würde mich schon interessieren, ob man die Situation so betrachten kann. Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig sein dürfte, derartige Messungen überhaupt durchzuführen.

Führen durch fragen

Eine Professorin auf einer Tagung sagte: „Führen heißt vor allem, die richtigen Fragen zu stellen und nicht anzuleiten. Die Person am Arbeitsplatz kennt die Prozesse am besten.“
Das sehe ich genauso. Wer wissen will, wie sich Prozesse verbessern lassen sollen, muss die Menschen fragen, die tagtäglich mit diesen zu tun haben und sich nicht alleine auf irgendwelche Theorien oder Vorstellungen stützen. Durch seine Fragen erzielt die Führungskraft außerdem noch einen weiteren Effekt. Die Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen, ihnen wird bewusst, dass ihre Arbeit respektiert wird, dass ihre Arbeit ein Teil des gesamten Unternehmens ist, ohne die es nicht funktioniert. Das motiviert, führt zu Identifikation und somit zur Mitarbeiterbindung- und -zufriedenheit.

Bankberater

Wenn ich höre, dass die Kundenberater einer Bank dreimal täglich bzgl. ihrer getätigten Abschlüsse kontaktiert werden, dann kann ich mir zum einen vorstellen, unter welch enormen Druck diese Berater stehen, andererseits kann ich mir vorstellen, welche Qualität die Beratung hat und was ganz oben auf der Prioritätenliste steht: verkaufen.

links for 2009-06-14

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