Über die Künstler

Vielleicht ist es Neid. Vielleicht auch das Unvermögen, mit Freiheit umzugehen, vielleicht der Frust, selbst den gesellschaftlich unkompliziertesten Weg gegangen zu sein. Vielleicht aber auch nur ein begrenzter geistiger Horizont? Es gibt sicherlich noch einige mehr Möglichkeiten und Vorgeschichten, die zu der Aussage „wer nichts wird, wird Künstler“ führen. Ich selbst kenne den Spruch nur mit „Wirt“ am Satzende, und selbst für diesen Fall stimmt sie nicht zu, die Aussage – es gehört eine Menge dazu, ein guter Wirt zu sein. Genauso wie eine Menge Mut dazugehört, den Weg des Künstlers einzuschlagen. Nicht nur, dass viele der Künstler mit Selbstzweifeln zu kämpfen haben, ob sie überhaupt gut genug für diesen Weg sind, dass sie von den wirtschaftlichen Konsequenzen eines solchen Schritts geplagt werden, nein, auch das Umfeld zweifelt oftmals an dem Sinn dieses Wegs. Es gibt genügend Eltern, die sich für ihre Kinder etwas „Vernünftiges“ wünschen, etwas, über das das Auskommen gesichert ist.

Und selbst wenn der Elternwunsch nach finanzieller Unabhängigkeit ihrer Kinder nachvollziehbar ist, ist bei dieser Sorge doch ein gewisses Paradox festzustellen. Denn gerade die wirtschaftlich gut Situierten sind es doch, die sich so gerne mit ihren kulturellen Streifzügen in die Theater, Museen und Galerien oder auch Kinos schmücken, meinen, man müsste dies und jenes gesehen haben. Treffen sie dann gar mal einen Künstler, sind sie vollkommen hin und weg. Stammt ja auch nicht aus der eigenen Familie. Versucht der eigene Spross jedoch einen solchen Weg zu gehen, wird ihm abgeraten: „Wie wäre es mit BWL, Jura oder Pharmazie? Da hättest du etwas handfestes.“

Nicht leicht für Künstler, sich in einem solchen Umfeld zu bewegen, zu leben. Immer wieder den Vorwurf zu hören, „ihr macht doch da sowieso nichts“. Gestern dann allerdings der Höhepunkt: „Sie ist doch so intelligent. Wieso studiert sie da Kunst?“

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