Mit Humor

Mit einem Papp-Plastik-Becher einer Fast-Food-Kette aus dem oben der Strohhalm raussieht, tritt sie aus der U-Bahn auf den Bahnsteig. Langsam läuft sie in Richtung eines Mülleimers. Etwa einen Meter davor bleibt sie stehen, zielt und wirft. Daneben. Der Papp-Plastik-Becher rollt auf dem Bahnsteig entlang. Sie lacht, läuft ihm hinterher, hebt in auf, hält ihn jetzt direkt über den Mülleimer und lässt ihn fallen. Treffer. Ein Gruppe junger, für Halloween geschminkter Jugendlicher applaudiert. Lachend läuft sie in Richtung Ausgang.

links for 2010-10-28

Digitale Natur

Das Sonne scheint durch die Baumkronen, die verträumte Schatten auf den Weg werfen. In den Sonnenstrahlen sieht man manch kleinen Käfer. Hinten auf der Lichtung, die noch zweihundert Meter vor uns liegt, schaut ein Reh nach oben, es hat uns bemerkt. Auf dem Hügel, von dem aus wir ins Tal stiegen, sahen wir große Vogel über uns kreisen. Wir? Nein, alle bis auf einen. Der lief einen Großteil der Zeit mit seinem Smartphone neben uns, starrte auf das Display, setzte digitale Markierungen in seinem digitalen Kartenmaterial, um später nachvollziehen zu können, wo wir überall waren, um zu wissen, wie viel Weg wir zurückgelegt haben. Er grillte unser Abendessen schon virtuell mit einer Spaß-App – leider verbrannten zwei Steaks.  Er schlug Unstimmigkeiten aus unseren Gesprächen in Nachschlagewerken nach, keine Frage blieb unbeantwortet: „Moment, das wissen wir gleich.“ Fotos wurden sofort Orten zugeordnet.

Ich bin kein Technikmuffel. Doch das war anstrengend.

Touritouren in der Hauptstadt

Wenn sich Besuch ankündigt, entwickle ich meist ein kleines Rahmenprogramm. Waren die Gäste schon lange nicht mehr in Berlin – manche waren auch noch nie hier -, dann bestehen meine Touren aus einem Mix von einigen obligatorischen Orten und von ganz speziellen, an die es selten oder nie Touristen ziehen würde, weil sie von ihnen überhaupt nichts mitbekommen würden. Je besser sich meine Freunde auskennen, desto mehr nimmt natürlich der Anteil an Unbekanntem zu. Mein liebstes Fortbewegungsmittel ist dabei immer das Fahrrad. Man sieht viel, hat keine langen Laufstrecken zurückzulegen, bewegt sich aber trotzdem, kommt schnell voran, bekommt einen Eindruck von der Größe Berlins und kann sich bei all dem noch auf den Wegen zwischen den einzelnen Stationen unterhalten.

Doch nun war es mal umgekehrt. Besuch hatte bereits im Vorfeld der Reise eine Trabitour gebucht. Ich hätte niemals solch ein Angebot in Anspruch genommen. Doch es hat Spaß gemacht – weniger wegen der Sehenswürdigkeiten, wir fuhren im Konvoi auch nur die üblichen Orte ab als vielmehr durch die Tatsache, dass ich den Trabi selbst fahren durfte. Zum ersten Mal im Leben hinter dem Steuer eines Trabant. An die Schaltung (Krückstockschaltung) hatte ich mich innerhalb von Minuten gewöhnt, auch daran, den Fuß niemals vollständig vom Gas zu nehmen. Die Bremsen quietschten.

Schlechtes Omen

Im Sommer war ein wenig mehr los. In die kühlenden Schatten unter den Bäumen zog es immer wieder Gäste. Doch nun findet kaum noch jemand den Weg in das kleine Bistro – Abend für Abend sitzt der Besitzer alleine mit seiner Frau hinter den großen Scheiben. Er an einem Tisch, sie an einem Tisch. Er löst meist Kreuzworträtsel, sie liest eine Illustrierte. Seine Mundwinkel fallen erkennbar immer weiter hinab. Das hat er sich sicher anders vorgestellt. Zumal: Die umliegenden Kneipen, Cafés und kleinen Restaurants sind täglich gut gefüllt. Die Stimmung ist von Außen erkennbar und nicht gerade einladend – ein übler Kreislauf.

links for 2010-10-21

links for 2010-10-17

links for 2010-10-15

Pause

Heute gönne ich mir eine Pause. Nur ein Hörtipp: Über Pausen.

Herbstferien

Es ist still auf den Straßen im Viertel, gerade morgens wenn normalerweise ein Auto nach dem anderen durch die Straße rollt und aus jedem ein bis zwei Kinder mit ihren Ranzen – meine ehemalige Direktorin sagte dazu noch Tornister – steigen. Die Eltern warten dann meist bei laufendem Motor bis sich die schwere Eingangstüre der Schule hinter ihren Sprösslingen schließt, erst dann machen sie den Platz für das nächste Auto frei. Vorne am Fußgängerüberweg stehen auch nicht die schon etwas Älteren in orangefarbenen Signalwesten und den Verkehrskellen in den Hand, die den Weg für die jüngeren Mitschüler sichern, die zu Fuß zum Unterricht kommen. Beim Bäcker sitzt die Verkäuferin selbst an einem der kleinen Tische und ließt Zeitung beim Kaffeetrinken. Sonst bepackt sie um diese Zeit Butterbrottüten mit saurem Klebe-Gummi-Kram. Kein Lehrer, der schon irgendwelche Anweisungen über die Straße ruft – vor kurzem saß ich im U-Bahnabteil, in dem Schüler ihren Klassenlehrer auf dem Weg zur Schule trafen und er ihnen andauernd sagte, wie sie sich zu verhalten hätten. Anstrengend für Schüler und Lehrer. 20 Minuten später saßen sie voraussichtlich schon wieder zusammen in einem Raum. Ob die Schüler heute noch die 45 Minuten sitzenbleiben so wie es bei mir auf der Schule damals üblich war?

Doch jetzt sind Herbstferien. Und es ist ruhig. Schön ruhig. Fast schon zu ruhig.

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