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Zu Fuß durch San Francisco

Am liebsten habe ich es, mich einfach durch fremde Städte treiben zu lassen, spontan an Kreuzungen eine neue Richtung einzuschlagen, da weiter hinten in der Straße etwas interessant aussieht und meine Neugierde weckt. Anderthalb Tage hatte ich dazu auch bei meinem Besuch von San Francisco in der letzten Woche Zeit – nicht viel, aber immerhin. Und am besten geht all das natürlich zu Fuß. San Francisco ist ein ganz schönes Auf und Ab. Die Stadt vermittelt aber trotz dieser Anstrengung eine wunderbare Atmosphäre.

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Hardfacts von der Dreamforce 2010 in San Francisco

Neben all den Erlebnissen, die bei solch einem Event auftreten und mit der Reise verbunden sind, gab es natürlich auch Fakten, die Salesforce verkündete und die ich hier noch kurz in Stichpunkten zusammenfasse.

  1. Chatter wird es auch in einer kostenlosen Version geben
    Um diese Version nutzen zu können, muss man sich allerdings eine Salesforce-Lizenz besorgen oder aber von einem lizensierten Anwender eingeladen werden. Die Chatter-Free-Version ist auch nur mit einigen Grundfunktionen ausgestattet. Die erweiterte Variante, Chatter Plus, kostet 15 Euro pro Monat und Anwender.
    Das Kommunikationstool Chatter, Salesforce spricht von einem Kollaborationstool, weißt viele Parallelen zu Facebook auf, ist jedoch auf den Geschäftsbetrieb ausgerichtet. Mitarbeiter legen Profile an und stellen ausgesuchten Kollegen relevante Informationen, zum Beispiel zu Kunden, zur Verfügung – in Echtzeit.
  2. Datenbank für Cloud Computing
    Datenbanken wandern in die Cloud, das ist die Idee, die hinter Database steckt. Entwickler können ihre Applikationen in Java, C#, Ruby, PHP und anderen Programmiersprachen schreiben und auf jeder Plattform betreiben. Auch die Wahl der Endgeräte ist nicht eingeschränkt. 2011 soll das Angebot zur Verfügung stehen.
  3. Salesforce kauft Heroku
    Für 212 Millionen US-Dollar kauft Salesforce den erst drei Jahre alten „Ruby on Rails„-Spezialisten Heroku. Ende Januar 2011 soll die Akquise abgeschlossen sein. Heroku entwickelt Cloud-Anwendungen. Ein stolzer Preis, Heroku beschäftigt gerade mal 20 Mitarbeiter.
  4. Remedyforce
    Zusammen mit BMC Software bietet Salesforce nun einen Helpdesk in Sachen IT-Management an.
  5. Siteforce und Appforce
    Diese beiden Clouds erweitern Force.com. Unternehmensinterne Anwendungen sollen mit Hilfe von Appforce schneller und unkomplizierter umgesetzt werden, Siteforce ist ein Online-Tool zur Erstellung und Pflege von Webseiten. Mit einer Drag-and-Drop-Funktion lassen sich Webseiten relativ unkompliziert gestalten.

So, das waren die großen Ankündigungen. Wie sich das alles entwickeln wird, muss sich zeigen. Vieles von dem Vorgestellten startet erst in den nächsten Monaten. Dann wird man auch sehen, wie es angenommen wird. Salesforce ist zumindest davon überzeugt, dass der Cloud die Zukunft gehört und Desktop- und Serverlösungen überholt sind. Selbstbewusst verkündet man, dass Oracle, SAP und Microsoft nur deshalb so gereizt reagieren, da sie ihre Geschäftsmodelle bedroht sehen und sich krampfhaft an der Macht halten wollen.

At the end of the day: Bill Clinton

So eine Messe ist kein Zuckerschlecken, auch wenn sie in San Francisco stattfindet und einem die Amerikaner versuchen, alles so leicht wie möglich zu machen. Der Tag beginnt früh und endet spät, Termin folgt Termin, ein Interview dem anderen. Dazwischen klappert man mit der Müdigkeit des Jetlags im Körper die Stände im Ausstellerbereich ab, knüpft Kontakte und sucht – im Fall der Dreamforce – interessante und innovative Unternehmen und deren IT-Lösungen, von denen man glaubt, sie könnten auch für die Publikationen und Zielgruppen interessant sein, für die man arbeitet. Ruhe gibt es keine, immer befindet man sich in einem nicht zu unterschätzenden Geräuschpegel, immer sind zumindest hunderte Menschen um einen herum, manchmal auch tausende. Die Sinne werden stark beansprucht, manchmal überreizt. Quirliger Messealltag.

Während der Keynotes und der Reden von Prominenten war diese Halle gerammelt voll

Das sollen keine Beschwerden sein – es macht Spaß und es ist spannend zu sehen, wie ein solches Event in Amerika aufgezogen wird. Und interessante Themenansätze gibt es noch dazu. Das ändert sich auch nicht an dem Umstand, dass die Dreamforce eine unternehmenseigene Hausmesse ist, dass die Macher sich natürlich im besten Licht zeigen wollen. Die unternehmen vieles, die Besucher zufrieden zu stellen. Überall ist zu spüren: Der Kunde ist König. Immer wieder hört man den Satz: „If the customer wants…“

Schon auf den Zufahrtswegen stehen Mitarbeiter, die einem den Weg leiten, die einen fragen wo man hin wolle. Hunderte müssen es auf dem gesamten Messegelände sein, überall wird einem Orientierungshilfe angeboten. Gestern hat es außerdem noch geregnet. An den Eingängen wurden deshalb schmale Plastikhüllen verteilt, in Lang- und Kurzform, in die man seinen nassen Schirm stecken konnte – die gibt es auch überall in den Kaufhäusern und Geschäften. Mit Hilfe der Registrierungskarten und aufgrund der Möglichkeit, dass man sich im Vorfeld schon für die unterschiedlichsten Workshops und Vorträge anmelden konnte, ist gewährleistet, in den Räumen einen Sitzplatz zu bekommen – erst dürfen die in die Konferenzräume, die sich angemeldet haben.

Service ist hier das eine, Entertainment das andere. Der CEO präsentierte in der lockeren Form eines Showmasters sein Unternehmen – genauso wie die anderen Mitlieder des Executive Management Teams. Er lief bei seinen Präsentationen die riesige Bühne von links nach rechts, von vorne nach hinten und dann auch noch ab durch die langen Publikumsreihen. Er schüttelte Hände, grüßte während der Präsentation Mitarbeiter und Kunden, die er kennt und lockerte seine zwei Stunden dauernde Rede immer wieder auf – so zog er einmal sogar ein iPad aus der Hose, nachdem er schon bereits sechs Mobiltelefone aus den Jackettaschen hervorgeholt hatte, um die mobile Welt von heute zu beschreiben.

Nein, George W. Bush war nicht da - interviewt wurde ein lustiger Imitator

So eine Show ist natürlich nicht die Sache von jedermann. Und mir als Deutschem, der so etwas nicht gewohnt ist, kamen schnell Vergleiche mit Sekten in den Sinn. Das Produkt scheint hier viel stärker an Personen geknüpft zu sein als dies in Deutschland der Fall ist. Da kann man schon mal skeptisch werden. Beispiel: Da lief ein Interview mit CEO Marc Benioff im Fernsehen. Schnell versammelte sich eine große Menschentraube von Mitarbeitern um den Fernseher, die am Ende des Gesprächs klatschten und johlten: „Good job, good job…“ In Deutschland undenkbar. Bei uns stehen die Unternehmenslenker mit Anzug und Krawatte – Benioff trug während seiner Präsentationen Ringelsöckchen – hinter einem Pult und tragen ihren ausgedruckten Vortrag vor.

Interessant fand ich – dies ist aber auch dem Umstand geschuldet, dass es sich um die Messe eines IT-Unternehmens handelt -, welcher Stellenwert den Social Media eingeräumt wurde. Überall hingen Monitore, über die man die Twitter- und Chatter-Feeds zur Veranstaltung im Livestream verfolgen konnte. Immer wieder bezog man sich in den Vorträgen auf dort gemachte Äußerungen, reagierte, dementierte und griff die Ideen aktiv auf.

Gemeinsam mit anderen Journalisten aus Deutschland überlegte ich, ob eine solche Art von Event auch in Deutschland möglich wäre. Und wir kamen zu dem Ergebnis: momentan wohl eher (noch) nicht. Ein bisschen mehr in Deutschland, ein bisschen weniger in Amerika würde beiden Kulturen gut tun.

Was ich aus Deutschland auch nicht kenne, ist das mit Persönlichkeiten bespickte Rahmenprogramm. Vom Dienstag berichtete ich ja schon – da trat der wirklich grandiose Stevie Wonder auf, zum Teil begleitet von Will.i.am. Gestern Abend dann Bill Clinton. Die Erwartungen waren riesig. Und trotz hervorragender Organisation bildeten sich zum ersten Mal Schlangen von Menschen – bereits zwei Stunden vor Start. Das Thema war wichtig, Clinton sprach über Ungerechtigkeiten und Menschlichkeit auf der Erde. Allerdings hätte ich mir von ihm mehr erhofft – auch ein wenig Show. Oder lassen Sie mich eher Esprit sagen. Er fasste aber im Grunde nur zusammen, was bereits bekannt ist, trug Zahlen von den 60er-Jahren beginnend bis heute vor. Es fehlte die Vision und der Aufruf zu einem Wechsel in der Art und Weise des Zusammenlebens. Das war es, was ich mir erhofft hatte, dass er zumindest den Versuch unternimmt, die Leute mitzureißen und davon zu überzeugen, Missstände und Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

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