PASTA for the Cloud – Überlegungen vor dem Einsatz

Dass Unternehmen Cloud Computing noch mit Skepsis gegenüberstehen, hatte ich bereits durch die Begleitforschung der SimoBIT-Initiative (Sichere mobile Informationstechnik in Mittelstand und Verwaltung) auf wissenschaftlicher Basis mitbekommen. Daten und Geschäftsprozesse in die Wolke auszulagern, sie „fremden“ Unternehmen in die Hand zu geben, da besteht eine psychologische Schranke. Verständlich.

Allerdings ist es auch so, dass Cloud Computing zu mehr Effizienz, Mobilität, Kosteneinsparungen sowie zu mehr Informationsqualität und -verfügbarkeit führt. Ebenso zu einer Verbesserung der Servicequalität und der Schnittstelle zum Kunden. Und: Sicherheit gehört zur Kernkompetenz der Cloud-Anbieter. Es ist also davon auszugehen, dass sie alles daransetzen, die Daten sicher zu verschließen, auf eine Art und Weise, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen oft überhaupt nicht zur Verfügung steht – denen fehlen da schon oft die Kapazitäten.

Auf der Dreamforce, der Hausmesse des Cloud-Anbieters Salesforce, unterhielt ich mit Ian Gotts, dem CEO von Nimbus über die Integration von Cloud Computing in die Geschäftsprozesse, ob und für wen dies sinnvoll ist und vor allem, was dabei im Vorfeld alles zu bedenken ist. Gotts plädiert für das PASTA-Modell.

P=Policy
Unternehmen benötigen Regeln, eine Policy, nach der Cloud Computing betrieben wird. Allerdings haben die wenigsten Unternehmen solche Richtlinien. Gotts spricht von Studien, nach denen gerade mal fünf Prozent der Unternehmen eine Cloud-Strategie haben. 20 Prozent hätten allerdings auch nur die Ressourcen, eine solche einzuführen.

A=Amnesty
Unter diesem eigentlich politischen Begriff versteht Gotts das unvoreingenomme Zugehen von Interessenten auf Cloud-Anbieter – ein Informationsaustausch ohne vorherige Bewertung. In den Gesprächen sollte es dann um Geschäftsprozesse gehen, darum, welche Anwendungen benötigt werden und welche Risiken mit dem Einsatz von Cloud-Anwendungen verbunden sind. Dazu zählt etwa die Frage: Wo liegen die Daten, die ausgelagert werden sollen? Beispiel: Liegen sie zum Beispiel in den USA dann muss bedacht werden, dass es dort andere Datenschutzrichtlinien als etwa in Deutschland gibt. Durch Verträge können zwar Übereinkünfte getroffen werden, doch: Welchen Wert haben diese bei politischen Konflikten?

S=Support
Kurz und knapp: Informationstechnologie muss das Business unterstützen.

T=Technology Evaluation
Der Begriff erklärt sich von selbst: Technologie muss evaluierbar sein. Dazu zählt auch zu wissen, welche Applikationen es überhaupt gibt. Dann kann entschieden werden, welche Anwendungen gebraucht werden, welche sinnvoll sind und welche genutzt werden sollten.

A=Adoption
Gotts ist davon überzeugt, dass zwar viele über Cloud Computing reden, jedoch nur die wenigstens Unternehmen wissen, was Cloud Computing tatsächlich bedeutet. Hat man es dann einmal durchschaut, ist zu klären: Wie bekommt man eine IT-Strategie hin, die sich rund um die Applikationen bauen lässt.

Prinzipiell sieht Gotts in der Nutzung des Cloud Computings eine Effizienzsteigerung, man komme wesentlich schneller zu Ergebnissen, müsse nicht erst eine IT-Infrastruktur aufbauen. Für das Cloud Computing müsse nur eine funktionierende Internetverbindung vorhanden sein. Die Entscheidung über die Einführung liege jedoch bei der Geschäftsführung. Findet die Applikationen, die zum Geschäft passen und vertraut sie dem Provider bei dem die Daten hinterlegt werden?

Entscheidet man sich für Cloud Anwendungen sollte man sie Schritt für Schritt einführen. Gotts empfiehlt, mit einer Abteilung zu beginnen und sie dann weiter zu verbreiten. Zu bedenken ist dabei, dass je nach Abteilung unterschiedliche Vorteile aus den Anwendungen generiert werden können. Außerdem müsse man sich auf Prozessänderungen einstellen. Das können zum Beispiel unterschiedlichste Endgeräte sein, mit denen Mitarbeiter auf Daten zugreifen wollen. Oder es kommt zu einer verstärkten Nutzung von VPN-Verbindungen. Auf die neuen Umstände müsse man vorbereitet sein und sie in die Policy aufnehmen.

Von den fünf PASTA-Schritten ist die Policy der Wichtigste, sie beeinflusst auch all die anderen Punkte. Ist sie zu hart, können die Vorteile der Cloud nicht zum Tragen kommen. Ist sie zu weich, kann sie nicht evaluiert werden. In der Technology Evaluation sieht Gotts übrigens den aufwendigsten Punkt.

(Dieser Blogbeitrag erscheint auch auf dem ILM-Forum – Der Blog über Nachhaltigkeit im Immobilien Lebenszyklus)

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