Das Dilemma der Baubranche mit dem Nachwuchs

Es ist schon ein Kreuz. Allerdings steht die Bauindustrie ja auch nicht alleine mit ihm da. Auch in anderen Branchen fehlt der qualifizierte Nachwuchs. Aber die bei der Jahresauftaktpressekonferenz vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie vorgelegten Zahlen sind schon alarmierend und werfen so manche Frage auf.

Dies sind die Fakten:

2010 hat sich das Beschäftigungsniveau im deutschen Bauhauptgewerbe sogar leicht erhöht – trotz Umsatzrückgang. Zwar habe dies nach Ansicht von Herbert Bodner, Präsident des Hauptverbands, sicherlich auch mit der Kurzarbeitergeldregelung zu tun, doch ist diese Entwicklung für die Branche nichts neues. Seit 2006 hält sich die Zahl mit leichten Schwankungen nach oben und unten eigentlich konstant. Der Anteil der Erwerbsfähigen und der Arbeitslosen nimmt hingegen konstant ab.

Woran scheitert es, junge Menschen für den Bauingenieurberuf zu begeistern?

Welche Auswege aus dem Problem mit dem Nachwuchs gibt es?
Es klingt nur wenig optimistisch, wenn Bodner meint, dass  das Auslaufen der Übergangsfristen für die Freizügigkeit von Arbeitnehmern und die Entsendung von Arbeitskräften aus acht MOE-Staaten zum 1. Mai 2011 auch die Chance beinhalte, Nachwuchskräfte für deutsche Unternehmen zu gewinnen falls der Arbeitskräftebedarf aus eigenem Nachwuchs nicht mehr gedeckt werden könne.

Dabei sehen unsere Nachbarländer Deutschland schon längst nicht mehr als erste Wahl für ihren Broterwerb. Auch dort steigen die Gehälter, so dass sich der Weg in Richtung Westen nicht unbedingt lohnt.

Es müssen dann also andere Wege gefunden werden, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Der Hauptverband hat dazu schon einige Projekte ins Leben gerufen, etwa 24h Bauingenieur, Der Bauingenieur – Beruf mit Zukunft und Wir wollen Dich!. Neben der Internetansprache gibt es noch Printpublikationen. Und auch die Bauunternehmen selbst sind nach Aussage des Verbands verstärkt in Schulen und Universitäten unterwegs.

Ein Moment, sich mal die Karriereseiten der fünf größten Bauunternehmen, die sich nun gerne auch als Baudienstleister bezeichnen, anzusehen.

(Noch-)Branchenprimus Hochtief informiert detailliert über die Einstiegsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Daten und Termine werden aufgeführt, wo und wie man mit dem Unternehmen in Verbindung treten kann. Über eine Jobbörse kann direkt nach offenen Stellen gesucht werden. Außerdem kann man sein Kompetenzprofil hinterlegen. Unter dem Punkt „Häufige Fragen“ werden unterschiedlichste Fragen zum Bewerbungsvorgang beantwortet.

Ähnlich sehen die Angebote von Bilfinger Berger, Strabag Köln, Ed. Züblin und Max Bögl aus – fast alle sehr detailliert, übersichtlich und ansehnlich. Nur der Strabag-Auftritt könnte noch mit einigen mehr Informationen versehen werden.

Bei Twitter und Facebook ist allein Max Bögl mit speziellen Karriereseiten (boeglblut.de) unterwegs, wobei bei ersterem schon einige Zeit nichts mehr passiert ist. Man nutzte den Kurznachrichtendienst bisher vor allem dazu, um auf Youtube-Videos hinzuweisen. Angebote der anderen Baudienstleister konnte ich auf diesen Kanälen nicht finden.

Social Media-Dienste sind sicherlich nicht das Allheilmittel, doch könnten diese Formen und Wege der Ansprache noch genutzt, gestartet und ausgebaut werden.

Schon etwas anders sieht die Aufmachung und Eigenpräsentation bei einigen der etwas kleineren Bauunternehmen aus. Und aus denen besteht die Branche ja zum großen Teil. Natürlich gibt es auch unter ihnen einige Firmen, die sehr vorbildlich auf Personalsuche gehen, andere könnten – insofern sie überhaupt Personal benötigen – noch einiges in die Bereiche investieren.

Folgende Fragen müssen beantwortet werden:

Nachtrag am 21.01.2011:
Wie die Immobilien Zeitung berichtet, hat eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), einer Forschungsabteilung der Hans-Böckler-Stiftung, ergeben, dass Bauingenieure die Geringverdiener unter den Ingenieuren sind – trotz ihrer enormen Verantwortung. So verdienen Bauingenieure im Schnitt 1.127 Euro monatlich weniger als etwa Elektronik- und Fernmeldeingenieure. Ein weiterer möglicher Grund für die „Unattraktivität“ des Berufs.
Die vollständige Studie ist in der Ausgabe 1/2011 der WSI-Mitteilungen erschienen.

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