Schneller Zeitenwandel

Ich kann mich noch ganz gut an Mai 2009 erinnern. Ich saß damals in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), um über die Konferenz „Employer Branding – Konzepte zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität“ zu berichten. Die Verantwortliche für das Employer Branding eines großen IT-Konzerns berichtete davon, wie schwierig es sei, sich beim Kampf um Talente gegen Google durchzusetzen. Ihrer Meinung nach liege die Attraktivität des inzwischen nicht mehr nur im Suchmaschinengeschäft tätigen Unternehmens vor allem darin, das Menschen an Produkten mitarbeiten könnten, die kurze Zeit später weltweit im Einsatz sind. Das fasziniere ungemein, dagegen müsse man erst einmal ankommen.

Wie Spiegel Online nun im Hinblick auf die Neugestaltung der Unternehmensführung bei Google berichtet, scheint sich diese Attraktivität inzwischen zu reduzieren. Stefan Schulz beschreibt anhand einer Recherche über das Karriereportal LinkedIn, dass das Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter an Facebook verloren habe. Auch Top-Talente hätten Google in Richtung des Online-Kontaktnetzwerks mit Sitz in Palo Alto verlassen. Danny Sullivan von Search Engine Land nennt als Gründe für den Schwund Ende Oktober 2010: „You’re not going to become a multi-millionaire by working there, in most cases. There’s far more bureaucracy than when the company was smaller.“ Zudem komme es bei den Arbeitnehmern von Google nicht gerade an, dass auch mal Flops auf den Markt gebracht wurden.

Der Beginn eines Niedergangs könne nach Sullivan deswegen noch nicht ausgerufen werden. Er schreibt weiter: „Good companies will manage their move into adulthood and remain successful.“ Allerdings zeigt sich, wie sich innerhalb von nicht einmal zwei Jahren der Blick auf Unternehmen ändern kann – von Seiten der Öffentlichkeit und aus Sicht neuer Arbeitnehmergeneration beziehungsweise von Top-Talenten.

Facebook wird es vielleicht bald ähnlich ergehen wie Google, genauso manch anderem gerade so hochgejubelten IT-Start-up – insofern sie überhaupt in den Genuss von Wachstum kommen und nicht schon bald wieder durch das Platzen einer neuen Internetblase vom Markt gefegt werden. Es werden immer wieder neue, innovativere und agilere Unternehmen auf den Markt kommen, die Attraktivität versprühen und eine große Anziehungskraft auf Talente ausüben.

Allerdings: Attraktivität und ein sexy Image sind letztendlich nur Nebeneffekte – auch wenn sie nicht unterschätzt werden sollten.
Doch Glück und Erfolg all denen, die es außerdem noch schaffen, eine sinnvolle und gesunde Geschäftsidee zu etablieren, selbstständig und ohne all dies substanzlose und blasenfüllende Gehabe!

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