Die demographische Schrumpfung in Deutschland

Erst war es vor allem Ostdeutschland. Nun sind auch große Teile Westdeutschlands zunehmend von der Bevölkerungsschrumpfung betroffen. Dies haben Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL)herausgefunden und in Karten abgebildet.

Waren es im Westen Deutschlands vor allem die Regionen Ruhr und Saar, ehemalige Industrieregionen, und wenige strukturschwache ländliche Regionen, in denen ein Bevölkerungsrückgang erkennbar war, hat sich der Einwohnerschwund nun innerhalb kurzer Zeit anscheinend auf weitere Teile der alten Länder ausgeweitet. Und dies früher als von vielen Experten vorausgesagt.

Die beiden Autoren der Studie, IfL-Wissenschaftler Günter Herfert und Frank Osterhage vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, sehen für diese Entwicklung auch eine Ursache: Es liegt an der rapiden Abnahme der Zuwanderung aus dem Ausland. Seit 2008 verlassen nach ihren Aussagen sogar mehr Menschen Deutschland auf Dauer als Migranten zu uns kommen. Hinzu komme, dass sich die innerdeutsche Ost-West-Wanderung in den letzten Jahren deutlich verringert habe – kein Wunder, sind doch manche Ortschaften in ostdeutschen Ländern regelrechte Geisterstädte. Wer soll da noch abwandern?

Zusammen mit dem jahrzehntelangen Geburtendefizit gehen die Auswirkungen nun so weit, dass selbst die Mehrzahl der wirtschaftlich starken Metropolregionen Westdeutschlands nur noch geringe Wachstumsraten der Bevölkerung von unter einem Prozent im Jahr aufweisen. Alleine in der Region um die bayerische Landeshauptstadt München steigt die Einwohnerzahl noch um jährlich über ein Prozent.

11_01_Schrumpfung_g2 (PDF: Bevölkerungsentwicklung in westdeutschen Oberzentren (>80000 EW) 2004-2008)

Zu den Städten, die besonders von dem Bevölkerungsrückgang betroffen sind, zählen die Ruhrgebietsstädte Duisburg, Bochum und Hagen, ebenso die Hafenstädte Bremerhaven und Wilhelmshaven sowie das niedersächsische Salzgitter.

11_01_Schrumpfung_g1 (PDF: Westdeutschland – Typen der Stadtregionentwicklung 2004-2008 nach dem Index der Bevölerungsentwicklung)

Die beiden Wissenschaftler kommen anhand ihrer Analysen zu dem Ergebnis, dass letztlich die Zuwanderung aus dem Ausland darüber entscheiden wird, ob es analog zu Ostdeutschland auch in Westdeutschland zu einer starken Polarisierung in flächenhafte Schrumpfungsregionen einerseits und metropolitane Wachstumsinseln anderseits kommen wird. Bleibt diese Zuwanderung aus, würde die Kluft zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen zukünftig weiter wachsen.

Diese Entwicklung hat natürlich Auswirkungen auf Unternehmen und deren Nachwuchssuche – es wird nicht nur schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden, es wird schwierig, überhaupt noch welchen zu finden.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

In dieser Grafik der Bertelsmann Stiftung fällt zum Beispiel auf, dass sich – mit Ausnahme von Brandenburg und Berlin – im Osten Deutschlands die Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen bereits in den kommenden fünf Jahren nahezu halbieren wird. Bundesweit geht die Zahl der Personen in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2025 um 1,2 Millionen Menschen zurück, schreibt die Stiftung.
Wie auch zu sehen ist, weist die Entwicklung aber auch deutliche regionale Unterschiede auf.

Die größten Verlierer unter den Bundesländern in der Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen bis zum Jahr 2025 sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit jeweils -48 Prozent gefolgt von Thüringen (-46 Prozent), Sachsen (-42 Prozent) und Brandenburg (-39 Prozent). Im Mittelfeld liegen Berlin (-27 Prozent), das Saarland (-26 Prozent), Rheinland-Pfalz (-19 Prozent), Bremen (-18 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (-17 Prozent). Weniger betroffen von den Auswirkungen des Demographischen Wandels sind Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg mit jeweils -14 Prozent sowie Niedersachsen (-13 Prozent) und Schleswig-Holstein (-8 Prozent).

Für die Unternehmen müssen diese Zahlen vor allem eines bedeuten: Qualifizierung. Qualifizierung von Schülern, Qualifizierung in der Ausbildung und Weiterqualifizierung der Mitarbeiter. Genauso muss es gelten, diejenigen in den Regionen zu halten, die noch vor Ort sind.

Grafiknachweise 11_01_Schrumpfung_g2 und 11_01_Schrumpfung_g1: Leibniz-Institut für Länderkunde e. V. (IfL)

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Kommentare

One Response to “Die demographische Schrumpfung in Deutschland”

  1. Toralf on August 18th, 2011 11:04

    Bei der Entwicklung kann man schon erschrecken, aber ich denke das sich die Geburtenrate grade die letzten 2-3 Jahre doch wieder deutlich gesteigert hat.

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