Nicht mal fünf Minuten für eine Bewerbung

Die Mehrzahl der Recruiter benötigen weniger als fünf Minuten für die Durchsicht einer Bewerbungsunterlage. Unter 5 Prozent wenden dafür mehr als 15 Minuten auf. Mehr als ein Drittel schaffen es in weniger als 3 Minuten. Das hat Wolfgang Brickwedde vom Institute for Competitive Recruiting in Heidelberg über seine fortlaufende Untersuchung/Befragung Recruiter Survey festgestellt (Grafiken und Ergebnisse sind hier zu finden).

Ist das nun viel oder wenig?

Aus dem Blickwinkel der Bewerber ist dies sicherlich viel zu wenig, immerhin haben diese in der Regel viel Zeit, Konzentration und manchmal vielleicht auch Aufregung in ihre Bewerbung gesteckt. Dann in etwa drei Minuten abgebügelt zu werden, na das ist schon was.

Allerdings muss man auch den Blick der Personaler einnehmen. Jetzt habe ich niemals auf einem solchen Stuhl gesessen, aber trotzdem flattern bei mir ja auch täglich irgendwie mehrere Bewerbungen ein – in Form von Pressemitteilungen, Themenvorschlägen etc. Würde ich für die alle drei Minuten aufwenden, hätte ich keine Zeit mehr für weitere Arbeiten. Oft kann ich schon nach wenigen Sekunden entscheiden: Papierkorb, Beobachtung, Themenliste oder gleich als Angebot an Kunden raus – das ist so interessant, da muss ich schnell sein.

Natürlich geht mir bei diesem Vorgehen hin und wieder etwas durch die Lappen. Manchmal sehe ich dann Tage später, was Kolleginnen und Kollegen aus einem Thema machen konnten. Das ärgert mich, vor allem, da ich nicht selbst drauf gekommen bin. Aber das wärt nur kurz. Mehr noch habe ich vor der Leistung und dem Ergebnis Respekt. Vielleicht ist das umgekehrt ähnlich. Vielleicht auch nicht, spielt letztlich ja keine Rolle, so lange ich leben kann.

Dies ist jetzt nicht 1:1 auf den Zeitaufwand der Personaler zu übertragen, man muss aber auch klar feststellen, dass drei Minuten schon eine ziemlich lange Zeit sind, in der man viel lesen kann, in der mehrere Seiten überflogen werden können, in denen man sich ein Gesamtbild machen kann. Hinzu kommt die Erfahrung, die man mit der Zeit macht – die machen Personaler genauso wie Journalisten. Und natürlich werden Personalern auch schon heiße Kandidaten durch den Sieb gefallen sein. In den meisten Fällen denke ich jedoch, dass man sich auf sich verlassen kann.

Hin und wieder gilt es natürlich, seine eigene Vorgehensweise auf die Probe zu stellen. Ein Mehr-Augenprinzip wäre dazu denkbar. Über die Schnittmenge könnte man diskutieren, jeder seine Gründe für ein „Weiter“ oder „Raus“ darlegen. So sensibilisiert man sich für andere Strategien, Gedankengänge, wird insgesamt offener und zieht noch stärker zusammen an einem Strang.

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