Club-Besuch im Berghain

Der Reiz ging immer von diesem alten Betonklotz aus, der da zwischen der Warschauer Straße und dem Ostbahnhof, irgendwie im Off und umringt von Großmärkten steht: das Berghain. Die sagenumwobene Musikanlage, die Millionen von Euro gekostet haben soll, die Geschichten aus dem Techno-Club, die zu einem Literaturskandal führten, da sie kopiert waren, die härteste Tür Deutschlands – es soll schwer sein, an den Türstehern vorbei zu kommen, die Frei- und Zügellosigkeit der Besucher, all das weckte mein Interesse, schaffte es aber nie, dass ich mich wirklich auf den Weg für einen Besuch machte.

Diese Woche stand ich auf der Gästeliste und konnte einfach so die ersten Hürden überwinden, konnte endlich mal das Innere sehen. Und es ist wirklich spannend. Die drei Damen an der Kasse, Respekt: harte Ausstrahlung, Stress hätte ich dort nicht machen wollen. Auch die anderen für die Tür Angestellten vermittelten nicht den Eindruck, sich auf lange Diskussionen einlassen zu wollen. Die Ansagen waren kurz und präzise, ließen keinen Raum für Interpretationen. Professionell. Wie überhaupt alles. Z.B. der Extrabereich für Kameras mit klarem Zuständigkeitsbereich, Fotos sind unerwünscht. Meine Canon wurde mir sofort abgenommen. Später bekam ich sie wieder … ;-), man ist darauf vorbereitet, weiß man will. Das macht den Club ja auch spannend.

Die Bausubstanzen – fast nur Beton, die Geländer aus Stahl , die Abgrenzung hin zur großen Bar aus Glas, manche Möbel aus Leder, manche Sitze an Ketten hängend – vermitteln eine kalte Atmosphäre. Trotzdem ist es warm. Und rund um den Dancefloor ist die Musikanlange aufgebaut, vom Licht in Szene gesetzt. Sie verspricht mehr als erwartet, der Sound ist der Hammer, er ist klar, durchdringt meinen ganzen Körper zu späterer Stunde mit ihren Bässen, in meinem Inneren wummerte es.

Das Publikum ist gemischt, liegt vielleicht daran, dass es eine Veranstaltung der Transmediale ist, nicht so extravagant wie erwartet. Aber zwei hervorragende Konzerte, SØLYST und Mouse on Mars. Bei letzteren ist der Laden bereits gerammelt voll und die Lautstärke nähert sich der Schmerzgrenze. Die Musiker bringen ihre Technik dazu, allerhand Sounds rauszulassen, harte Töne zum Teil. Die Aufnahmefähigkeit ihrer Zuhörer stoßen sie an der Rand der Aufnahmefähigkeit – zumindest geht es mir so, der Sänger lässt seine Stimme über ein Smartphone bis zur Unverständlichkeit verzerren – super. Meine Begleitung will einen weiteren Besuch: An einem „normalen“ Abend.

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