W. H.

Eine geleerte, jedoch wieder verkorkte Apfel-Champagner-Flasche aus Franken. Ein gerolltes Bild mit beschriebener Rückseite im Inneren. Zwei Stahlwinkelschienen zu einem Kreuz zusammengeschweißt. Einige Sträuße halbfrischer Blumen. Noch einige Tannen. Hinter der Mauer fahren Jugendliche auf Skateboards. In der direkten Nachbarschaft einige weitere Schriftsteller. Auch Neubauten mit Fensterblick in den Himmel. Ruhe. RIP.
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Fetzen der Erleuchtung

Szenen aus der Jugend holen mich in die heutige Zeit übertragen im Traum ein. Erschrocken wache ich auf. Mist: Im ersten Live-Interview viel zu oft ins Stocken geraten. Und zu viele Ähs. Krise am Morgen. Und irgendwas läuft falsch, wenn der Trainer empfiehlt: „Bitte kühlt heute Abend noch eure Knie.“

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Vom Straßenrand auf die Fahrbahn

Tramper am Straßenrand, welch Freude. Wir haben so zu Schulzeiten das Fahrkartengeld der Eltern sparen können. Sparen? Naja. Irgendwann war der Daumen der Fahrkartenschalter für gesamte Urlaube. Zu der Zeit habe ich auch eine Erkenntnis für mein Leben ziehen können: Wenn ich bereit bin selbst zu laufen, brauche ich nicht lange auf den ersehnten Lift zu warten.

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Zugespielte Briefe

Wie abgedroschen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. „Ich gewinne nie“ wäre aber gelogen. Jetzt werde ich mir Hyperion anschauen.

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Süße Traurigkeit

Als das Deckenlicht über den Sitzreihen wegen des Landeanflugs ausgeschaltet wird, gehen gefühlte 68 Arme in die Luft. Der Blick auf die meiner Meinung nach spannendste Stadt Deutschlands reicht ihnen nicht, auf dieses sagenhafte Lichtermeer. So schön habe ich sie auch noch nie gesehen. Leider ist in diesem Moment Elektronik untersagt. Im Kopf formuliere ich traurige Abschiedsworte.

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Singt da Frank Black oder John Michael Osbourne?

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Sonntag

Ein Mensch tötet einen Mann mit mehreren Schüssen in dessen Auto in den frühen Morgenstunden. Ein Paar küsst sich am Ufer der Spree. Der Boden der selbstgebackenen Pizza bleibt am Blechboden hängen. In den Straßen sind die Gehwege auf der Sonnenseite übervölkert, die der Schattenseite sind leer. Es scheint, als wäre jede dritte Frau schwanger. Eine weinende Frau betritt das Haus am Bethanien. Sie wischt sich eine Träne aus dem Gesicht und rennt die Treppe hinauf in den ersten Stock. Ich spiele zum ersten Mal das Theremin in meinem Leben. Es ist Sonntag.

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Indiskretion

„Du solltest mal dein Schiebedach abkleben, hier tropft es.“

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Intimität

„Dachte nicht daran, darüber jemals mit anderen zu sprechen.“

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Ein Fan

Am Abend legt er sich bereits die Bücher des Autors zurecht. Alles Bücher dieses einen Autors. Manche Bücher hat er doppelt, manche sogar dreifach. Alle miteinander steckt er sie in einen Beutel, den er neben seine Aktentasche in den Flur vor die Haustüre stellt. So minimierte er das Risiko des Vergessens. Er schaut sich noch einen Film mit seiner Frau an, geht ins Bad und schließlich zu Bett.

Am nächsten Morgen frühstückt er, geht wieder ins Bad und zieht dann seinen grauen Anzug und ein weißes Hemd an. Um den Hals bindet er sich eine grüne Krawatte. Er nimmt seine Aktentasche und den Beutel mit den Büchern, verabschiedet sich von seiner Frau und verlässt das Haus. An der Haltestelle steigt er in den Bus, später in die S-Bahn. Er fährt in die Stadt, zu seiner Firma, in sein Büro. Um 9 Uhr beginnt er mit der Arbeit. Gegen 13 Uhr macht er Mittagspause in die Kantine. Er trifft sich dort mit einem Kollegen. Nachmittags hat er noch ein Meeting. Um 19 Uhr macht er Feierabend, fährt aber nicht direkt nach Hause.

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Kurz vor 19.30 Uhr betritt er den Raum in der Gedenkstätte, in der die Lesung stattfinden soll. Er sucht sich einen freien Platz. Unter seinen Stuhl schiebt er die Aktentasche und den Beutel. Darauf legt er seine dick gefütterte Winterjacke und seinen Schal. Kurz danach kommt der Autor, liest aus seinem aktuellen Buch und beantwortet die Fragen des neben ihm sitzenden Literaturkritikers. Keiner der Zuschauer hat eine Frage an den Autor. Die Lesung ist beendet. Er selbst hat während der gesamten Lesung dem Autor zugehört – meist mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht. Jetzt tritt er an ihn heran und fragt, ob dieser ihm all seine Bücher signieren würde. Es seien allerdings einige, die er dabei habe. Der Autor sagt: „Dann zeigen Sie mal, wie viele es sind.“ Er legt 17 Bücher auf den Vorlesetisch vor den nun sitzenden Autor. Der Schriftsteller beginnt, seine Unterschriften auf Seite 3, 5 oder 7 zu setzen, während er sich mit dem Literaturkritiker und einigen Bekannten unterhält.

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