Pausen nutzen
Momentan gibt es wenig Zeit für Pausen, zu dicht sind die Termine gesteckt, um wirklich mal abschalten zu können, zu viele Projekte laufen parallel, da will ich den gewonnen Flow nutzen, um nicht unter noch größeren Druck zu geraten.
Wenn es sonntags dann doch mal drei freie Stunden gibt, geht es raus – möglichst mit der angenehmen Verbindung körperlicher Betätigung mit Kultur. Da ist es dann auch egal, dass am Ende nur der Körper befriedigt wurde, die besuchte Kunst nur an der Oberfläche kratzte, ohne in die Tiefe zu gehen, ohne eine tatsächliche Berührung des Geistes hinzubekommen. Und es ist egal, dass es regnet. Immerhin traf der einen.
Der Wandel im Reuterkiez schreitet voran
Ich habe nichts dagegen, dass sich Viertel ändern, das ist der Lauf der Zeit. Aber wenn ich das Gefühl bekomme, es geht um Gleichschaltung, dann überkommt mich schon ein ungutes Gefühl.
So wie hier im Reuterkiez, dem nördlichen Neukölln, der gerade boomt. Die Mieten steigen, die Geschäftsinhaber wechseln, die Eckneipen verschwinden mitsamt ihrem Inventar und dem Stammpublikum. Dort, wo bis letzten Monat noch ein kleiner Bäcker drin war, ein Treffpunkt zahlreicher Straßenbewohner, dort soll nun ein italienischer Feinkostladen einziehen. So mutmaßen die, die es wissen müssen, da sie hier schon lange und noch leben und vieles im Blick haben.
Auch der Trödel unten im Haus wechselt sein Geschäftskonzept. Statt wie sonst freitags immer auf die Stadtteilversteigerungen zu fahren, wo ganzer Wohnrat unter den Hammer kommt, den er dann verkaufen kann, setzt er von nun an auf das Partyvolk, das allabendlich durch die Straßen zieht – manchmal auch fällt, mitsamt der Flaschen in der Hand. Er sieht eine Zukunft darin, in einem Spätkauf zu stehen. Gerade baut er um. Immerhin ist er zum Change bereit.
So werden von nun an nicht nur in und vor all den Bars, die sich nicht wirklich unterscheiden – unverputzte Wände haben sie alle, ebenso eine schnell eingezogene Bar, und alte Wohnzimmermöbel scheinen sowieso Gesetz zu sein – zukünftig Trauben von Menschen stehen. Nein, sie werden auch direkt vor meiner Haustüre stehen. Sie werden den Weg versperren, ihren Unrat liegen und fallen lassen.
Und das bis in den Morgen hinein. Wenn ich mich auf den Weg zu meiner ersten Trainingseinheit mache, werden sie streitend rumstehen, manchmal auf knutschend. Oder sie werden einfach nur voll im Hauseingang liegen, allein und lallend.
Doch der untrügliche Beweis für den Wandel sind all die Kinderwägen. Wie bereits vom Prenzlauer Berg bekannt und vielfach beschrieben, beginnen auch hier ganze Batterien von ihnen vor Cafes und Kinderstuben zu stehen. Drinnen sitzen Mütter, ganz selten mal ein Vater, und fast immer ist der Nachwuchs das Thema.
Das ist allerdings immer noch besser als über all die Projekte zu reden, die man in Zukunft angehen wolle und die garantiert eine super gewinnbringende Geschichte sind. Das war nämlich mein Eindruck von Berlin, als ich hier vor neun Jahren ankam. Seifenblasen.
Muss man das erlebt haben?
Die Berliner Hinterhöfe haben ja durchaus ihren Reiz. Dort verbergen sich allerhand geheime Orte, Plätze für Ideen und Räume für Gedanken, auf die die Hausfassaden zur Straßenseite nicht unbedingt schließen lassen. Manche Häuser haben ja gleich mehrere solcher Höfe, kleine Dörfer im bescheidenen Hintergrund.
Spannende Dinge habe ich in manchem Hof schon gefunden: Plattenläden, Cafés, Ausstellungen, unangekündigte Partys und innovative Kleinunternehmen. Nicht zu verachten ist auch so manche wunderschöne Wohnung, bis zu denen der Lärm der Stadt keine Chance hat vorzudringen. Liegt die noch in einer der oberen Stockwerke und ist der Hof nicht zu eng, kommt sogar Licht in die Räume – vielleicht eine ehemalige Fabriketage, die wohntauglich gemacht wurde.
Hin und wieder trifft man in einem solchen Hof aber auch auf Absurdes, auf Abtruses, auf Gruppen, die dort ihren wirren Gedanken nachgehen können – wobei ich jetzt nicht behaupten will, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Hinterhöfen und derartigen Veranstaltungen gibt.
In solch einen Vortrag geriet ich jedoch zuletzt – fast zufällig. Erst war es irgendwie spannend, da waren unbekannte Gedanken, von den ich dachte: Könnte ja interessant werden, lass dich darauf ein. Das Problem war nur, dass der Vortragende nicht reden konnte, konzeptlos seine Gedanken vortrug, so wie sie ihm in den Sinn und dann aus dem Mund kamen. Immer mal wieder kleine Lacher eingestreut, Freude über eigene “Geistesblitze”. Irgendwann war es nur noch nervend und ich war erleichtert, als ich wieder in das Leben der Straße zurückkehrte.
Porträt meines Karatelehrers
Mein Karatelehrer übt nicht schon immer diesen Beruf (Beruf kommt von Berufung… ;-)) aus. Zuvor war er Wirtschaftswissenschaftler, auf dem besten Weg eine erfolgreiche Finanzkarriere zu starten. Wie es zum Wandel kam, was ihn antrieb und heute bewegt, darum geht es in meinem Beitrag auf Simone Jansons Seite berufebilder.de:
Teil 1 des Porträts: Freiheit finden in sich selbst!
Teil 2 des Porträts: Auf der Suche nach Wahrheit & innerer Stille
Unterwegs in Berlin: Müggelberge
Nach dieser schönen Winterwoche im Vinschgau, ist nun an den Wochenenden wieder Flachland angesagt. Um wenigstens ein bisschen aufwärts gehen zu können, fuhr ich zuletzt mit der S-Bahn nach Friedrichshagen. Westlich habe ich den Großen Müggelsee passiert – die Sonne glitzerte schön aus ihrem hellblauen Himmel, auf dem See schwammen noch die letzten Eisflächen, die allerdings nur noch Enten und Schwäne trugen.
Dann verließ ich den See, überquerte den Müggelheimer Damm und näherte mich den Müggelbergen, an deren Fuß der Teufelssee dunkel im Wald liegt. Von Bergen zu sprechen, ist allerdings reichlich übertrieben und bestimmt nicht korrekt. Es handelt sich lediglich um Erhebungen – immerhin die höchsten Berlins. Und sie sind auf natürlichem Weg entstanden, im Eiszeitalter.
Auf dem kleineren der beiden Hügel, dem Kleinen Müggelberg (88 Meter hoch), befindet sich ein Aussichtsturm, der Müggelturm. Mit 1 Euro Investition darf man die – ich glaube es waren 128 – Stufen hoch steigen und hat, wenn das Wetter wie letztes Wochenende mitspielt, einen hervorragenden Blick auf Berlin und das Umland. Von dort konnte ich letzten Sonntag sogar die 107 Meter hohe Cargolifter-Luftschiffhalle im brandenburgerischen Brand, das ist eine Ortschaft im Spreewald, sehen.
Einige Schritte weiter östlich, etwa fünf bis zehn Minuten Fußweg, kommt man auf das Plateau des Großen Müggelbergs. Der ist 114,7 Meter hoch. So hoch ist in Berlin nur noch der Teufelsberg. Der ist allerdings ein Trümmerberg, er ist also nicht auf natürliche Weise entstanden.
Auf dem Großen Müggelberg befindet sich der Stumpf des unvollendeten Fernsehturms Müggelberge. Dort haben sich Down-Hill-Fahrer außerdem eine Strecke durch den Wald mit Schanzen und einigen waghalsigen Kurven gebaut.
Als Arbeitsmarktregion steht Berlin mies da
Es steht nicht rosig um Berlin, zumindest wenn man die Stadt als Arbeitsmarktregion betrachtet und die Daten aus 2009 als Grundlage nimmt, so wie es die Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Nürnberg getan haben. Veröffentlicht wurde deren IAB-Arbeitsmarktranking auch erst im Dezember 2011. Dafür beruht es auf 23 Indikatoren, die in die Bewertung der deutschlandweit 50 Arbeitsmarktregionen einfließen – mit unterschiedlicher Gewichtung.
Die Arbeitslosenquote in Berlin beträgt demnach 13,13 Prozent und ist überdurchschnittlich hoch. Zum Vergleich: Ravensburg schneidet mit 3,95 Prozent im Untersuchungszeitraum am besten ab. Neubrandenburg, angesiedelt am Ende der Skala, hat eine Arbeitslosenquote von 15,79 Prozent.
Beim Mismatch, der fehlenden Übereinstimmung zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage, erreicht Berlin den niedrigsten Wert. In der Stadt gibt es den größten Überhang an Arbeitslosen. Demnach zu wenig Vakanzen, offene Stellen. Oder einfach gesagt: Zu wenig Arbeit. Hinzu kommt eventuell noch, dass die meisten in Berlin lebenden die falsche Berufung haben.
Der Gesamtperformanz-Wert Berlins liegt bei -2,13 Punkten. München als Stadt mit dem höchsten Performanzwert-Wert weißt im Gegensatz dazu 1,55 Punkte auf. Nicht nur im Vergleich zur bayerischen Landeshauptstadt: überhaupt schneidet Berlin unterdurchschnittlich ab (der Wert Null entspricht dabei dem deutschen Durchschnitt; positive Werte zeugen von einer überdurchschnittlichen, negative von einer unterdurchschnittlichen Performanz). Mit Platz 49 belegt Berlin sogar den vorletzten Platz von den insgesamt 50 Arbeitsmarktregionen in Deutschland. Dies ist nicht gut bzw. schön, auch vor dem Hintergrund, dass sich der Mehrheit der Arbeitsmarktregionen im Plus befindet.
Würde wenigstens die Tendenz nach oben zeigen. Doch auch hier schwächelt die Stadt an der Spree. Gegenüber den Vorjahren ging es für die Hauptstadt weiter abwärts.
Club-Besuch im Berghain
Der Reiz ging immer von diesem alten Betonklotz aus, der da zwischen der Warschauer Straße und dem Ostbahnhof, irgendwie im Off und umringt von Großmärkten steht: das Berghain. Die sagenumwobene Musikanlage, die Millionen von Euro gekostet haben soll, die Geschichten aus dem Techno-Club, die zu einem Literaturskandal führten, da sie kopiert waren, die härteste Tür Deutschlands – es soll schwer sein, an den Türstehern vorbei zu kommen, die Frei- und Zügellosigkeit der Besucher, all das weckte mein Interesse, schaffte es aber nie, dass ich mich wirklich auf den Weg für einen Besuch machte.
Diese Woche stand ich auf der Gästeliste und konnte einfach so die ersten Hürden überwinden, konnte endlich mal das Innere sehen. Und es ist wirklich spannend. Die drei Damen an der Kasse, Respekt: harte Ausstrahlung, Stress hätte ich dort nicht machen wollen. Auch die anderen für die Tür Angestellten vermittelten nicht den Eindruck, sich auf lange Diskussionen einlassen zu wollen. Die Ansagen waren kurz und präzise, ließen keinen Raum für Interpretationen. Professionell. Wie überhaupt alles. Z.B. der Extrabereich für Kameras mit klarem Zuständigkeitsbereich, Fotos sind unerwünscht. Meine Canon wurde mir sofort abgenommen. Später bekam ich sie wieder … ;-), man ist darauf vorbereitet, weiß man will. Das macht den Club ja auch spannend.
Die Bausubstanzen – fast nur Beton, die Geländer aus Stahl , die Abgrenzung hin zur großen Bar aus Glas, manche Möbel aus Leder, manche Sitze an Ketten hängend – vermitteln eine kalte Atmosphäre. Trotzdem ist es warm. Und rund um den Dancefloor ist die Musikanlange aufgebaut, vom Licht in Szene gesetzt. Sie verspricht mehr als erwartet, der Sound ist der Hammer, er ist klar, durchdringt meinen ganzen Körper zu späterer Stunde mit ihren Bässen, in meinem Inneren wummerte es.
Das Publikum ist gemischt, liegt vielleicht daran, dass es eine Veranstaltung der Transmediale ist, nicht so extravagant wie erwartet. Aber zwei hervorragende Konzerte, SØLYST und Mouse on Mars. Bei letzteren ist der Laden bereits gerammelt voll und die Lautstärke nähert sich der Schmerzgrenze. Die Musiker bringen ihre Technik dazu, allerhand Sounds rauszulassen, harte Töne zum Teil. Die Aufnahmefähigkeit ihrer Zuhörer stoßen sie an der Rand der Aufnahmefähigkeit – zumindest geht es mir so, der Sänger lässt seine Stimme über ein Smartphone bis zur Unverständlichkeit verzerren – super. Meine Begleitung will einen weiteren Besuch: An einem “normalen” Abend.
Zur Schließung des “Klub der Rebublik”
Auf dem an der markanten Fensterseite angebrachten Transparent, aus der man des abends – also aus den Fenstern – so schön hinausschauen konnte, während im Klub in der Regel elektronische Musik lief, steht:
“Erst wenn die letzte Eigentumswohnung gebaut, der letzte Klub abgerissen, der letzte Freiraum zerstört ist, werdet ihr feststellen, dass der Prenzlauer Berg die Kleinstadt geworden ist, aus der ihr mal geflohen seid.”
(via urbanophil.net)







