Ablenkung

Wenn auf dem Spielfeld mal nicht allzu viel passierte, dann stimmte zumindest das Panorama.

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Immerhin gewann am Ende die bessere der zwei Mannschaften in der Regionalliga-Nord-Partie:
Türkiyemspor Berlin gegen Hertha II endete mit einem 3:1 für die Gastgeber.

Hertha desastrs

Die Highlights des ersten Europa-League Gruppenspiels von Hertha BSC gegen FK Ventspils sind schnell aufgezhlt. In der 23. Minute wird die Nummer 1 des Hauptstadtclubs, der Torwart Jaroslav Drobn, verletzt vom Platz getragen, in der 34. Minute erzielt Lukasz Piszczek das 1:0 fr die Hertha, in der 48. Minute, wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff der 2. Halbzeit, schiet Gauracs zum 1:1 fr fr die lettische Mannschaft FK Ventspils ein. Zu erwhnen ist noch, dass die UEFA sechs statt der bisherigen vier Unparteiischen einsetzte. Neben dem Schiedsrichter, den beiden Linienrichtern und dem vierten Unparteiischen neben dem Platz, gab es noch zwei neue Beobachter an den beiden Torlinien, die mit den Strafraum berwachten.


Das Spiel war mit 13.454 Zuschauern uerst schlecht besucht.

Das Spiel hatte neben diesen Ereignissen ansonsten nichts zu bieten – auer vielleicht den rger und die Pfiffe der Fans, die nach der Fhrung noch ungerechtfertigt optimistisch von der Meisterschaft, dem Europapokal und dem DFB-Pokal sangen. Doch der rger nahm irgendwann berhand. Man fragte sich, mehr noch bei der Hertha als bei dem Unbekannten Verein aus Lettland: Was wollen die beiden Mannschaften in der Europa-League? Und man verstand, warum der Hauptstadtverein momentan auf Platz 17 der Bundesliga rangiert. ngstlich und nervs agierten dessen Spieler, oft wurde grundlos nach hinten gespielt, anstatt das Spiel offensiv nach vorne zu gestalten. Mit ungewohnt vielen Fehlpssen brachte man den Gegner immer wieder ins Spiel und den 19-jhrigen Ersatztorwart Sascha Burchert in die ein oder andere Verlegenheit. Trotz etwas mehr Spielanteilen fr die Berliner ist das Ergebnis absolut gerechtfertigt.

Htte, htte, htte

Es htte ein perfekter Fuballnachmittag werden knnen. Die Eintracht hatte seit einiger Zeit am Vorabend ihr Spiel nicht verloren, die Sonne schien, es war warm. Als ich mich dem Stadion, der Alten Frsterei, nherte, schallte mir Girls & Boys von Blurs 1994er Album Parklife entgegen. Bald danach folgten die Pixies. berhaupt muss ich mal sagen, dass das Musikprogramm beim 1. FC Union jetzt vielleicht nicht als exzellent einzustufen ist, aber im Vergleich zu den mir ansonsten bekannten Stadien immer die beste Songauswahl hat. Aber das nur nebenbei.

Die Spieler htten sich uerst motiviert Aufwrmen knnen. Kein Wunder, sie htten mit einem Sieg gegen die 2. Mannschaft von FC Energie Cottbus doch wieder zur Tabellenspitze aufschlieen knnen, den Traum von der 2. Bundesliga weitertrumen knnen. Man htte dann die Fansituation ausnutzen knnen. Die eigenen Reihen htten mit Anhngern gefllt sein knnen, whrend bei den Lausitzern gerade mal etwa 20 Leutchen htten mitgereist sein knnen, von denen einer auch noch heftig die “Pro AF”-Fahne schwingen knnte, er sich also auch fr einen Weiterbetrieb der Alten Frsterei stark machen knnte.

Weiterhin htte man die whrend der Woche gefallene Entscheidung nutzen knnen, das das geliebte Stadion auch in der nchsten Saison fr Heimspiele genutzt werden kann, es also fit gemacht wird und damit den DFB-Auflagen entspricht.

Im Spiel dann htte man den Gegner in Grund und Boden laufen knnen, man htte sich zahlreiche Chancen herausspielen knnen. Und genau das passierte auch und war so. Aber nun kommen die: htte, htte, htte. Man htte diese Chancen auch umsetzen mssen und nicht mit Fahrlssigkeiten, Planlosigkeit und Unkonzentriertheit vergeben drfen. Denn wren diese Mngel nicht gewesen, man htte den Sack schon in der 1. Halbzeit dicht machen, htte den zweiten Heimsieg in der Rckrunde einfahren knnen. Doch statt dessen nutze Marc Hensel von Cottbus in der 34. Minute eine der wenigen Chancen der Gste und staubte zum 0:1 ab. Dies war auch der Endstand des Spiels. Statt nun auf dem zweiten Tabellenplatz der Regionalliga Nord zu stehen, geht es fr Union nun wohl wieder eher darum, unter den ersten Zehn zu bleiben und sich die Qualifikation fr die 3. Liga zu sichern.

Bestimmt war das Wetter schuld. Jaja, genau.

Aufgeschnappte Kommentare whrend des gestrigen 1. Bundesligaspiels Hertha BSC Berlin gegen den HSV:

“Wenn das so weitergeht, hol ich mir nchste Saison keine Dauerkarte mehr.”

“Ich wei berhaupt nicht, warum ich noch hierher komme. Aber irgendwie hofft man ja doch immer noch auf ein Wunder.”

“Oh, ist das schlecht.”

“Neeiiiiiiiiiiin, das kann doch nicht wahr sein.”

“Profis mssten doch wenigstens passen knnen. Da darf man doch ein wenig mehr verlangen.”

“Frher konnte man nach den Spielen hin und wieder noch mal einen trinken gehen, weil die Hertha gewonnen hat. Heute trinken wir nur noch aus Frust.”

Und nach einem grottenschlechten Spiel diesmal immerhin von beiden Mannschaften, wobei die Hertha sich in Sachen ngstlichkeit, Rckspielverhalten und Bewegungslosigkeit den Schneid nicht abkaufen lie , und bei dem auch ich am liebsten wieder frhzeitig das Olympiastadion verlassen htte, stand es mal wieder 0:0. Mit Glck fr die Hauptstdter, verschoss der HSV doch auch noch einen Elfmeter. Das passte. Auch zum Wetter.

Mist! Der Sprung auf einen Aufstiegsplatz wurde verduselt.

1. FC Union Berlin gegen Wuppertaler SV

Lange Zeit sah es gestern so aus, als wrde es der 1. FC Union Berlin am 30. Spieltag der Regionalliga Nord erneut auf einen Aufstiegsplatz zur 2. Bundesliga schaffen. Mit 1:0 in der 1. Halbzeit durch Mannschaftskapitn Daniel Schulz in Fhrung gegangen, dominierte der Hauptstadtverein auch im Rest der ersten Spielhlfte das Spielgeschehen. Ein weiterer Treffer wollte den Rot-Weien allerdings nicht gelingen, mehrmals scheiterte man kurz vor der Torlinie.

In der zweiten Halbzeit drehten die Gste dann erst einmal auf, schafften es aber nicht, die Abwehrreihen der Berliner zu durchbrechen. Ein Konter durch Union in der 67. Minute, an dessen Ende Karim Benyamina alleine auf den Wuppertaler Torwart Christian Maly zulief, htte stattdessen den vorzeitigen Sieg bedeuten knnen, endete aber mit einem Pfostenschuss. Durch eine Unkonzentriertheit in der Abwehr und einiges Gewirr im Strafraum war es dann der Wuppertaler SV Borussia, der zu einem schmeichelhaften Ausgleich durch Mahir Saglik in der 77. Spielminute kam.
Die Gastgeber drehten zwar noch einmal so richtig auf, man merkte ihnen dann, dass sie die drei Punkte unbedingt in Berlin halten wollten. Doch das letzte Quentchen Glck fehlte, der Ball wollte einfach nicht in den Kasten.

Trotz berlegenheit verschenkte Union also zwei wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg und schaffte es zum dritten Mal in Folge nicht, zu Hause zu gewinnen.

Nchste Woche geht es nach Bremen, dem viertplatzierten Verein in der Liga, die nur einen Punkt hinter den Berlinern liegen. Es wre schn, wenn man es schaffen wrde, sich von diesen ein wenig abzusetzen.

Was die Stadionfrage betrifft, so schrieb der Tagesspiegel diese Woche, dass Innensenator Ehrhart Krting sagte, dass die Alte Frsterei “hchstwahrscheinlich” fr Dritt- und Zweitligaspiele erhalten bleibe.

links for 2008-03-23

Fragen nach dem heutigen Hertha-Spiel

  1. Ist Bewegungslosigkeit während des Spiels tatsächlich ein Weg zu sportlichem Erfolg?
  2. Wenn man sich schon zur Bewegungslosigkeit entschließt, sollte das dann nicht erst nach einer komfortablen Führung geschehen und nicht gleich zu Beginn des Spiels?
  3. Sind Rückspiele ein geeignetes Mittel, um Tore zu schießen?
  4. Ist es eine starke Teamleistung, sich seinem Mitspieler nicht anzubieten?
  5. Sollte man sich nicht nach einem weiteren Stürmer umsehen, da ohne Marko Pantelic im Sturm rein überhaupt nichts läuft?
  6. Ist Jaroslav Drobny tatsächlich eine würdige Nr. 1 im Tor?
  7. Muss man Patrick Ebert wirklich Ecken und Freistöße schießen lassen, die keinerlei Gefahr für den Gegner bedeuten, da sie bei keinem Mitspieler ankommen?
  8. Will man seinen Fans wirklich eine so desaströse Leistung wie in der 1. Halbzeit bieten?
  9. Schafft es Lucien Favre, seinen Spielern seine Fußballphilosophie zu vermitteln?
  10. Falls er es schafft, ist es dann die richtige Philosophie?

Hertha hat gegen den FC Schalke 04 1:2 verloren. Trotz einer besser gespielten zweiten Hälfte, steht Hertha BSC Berlin in der Tabelle genau in dem Bereich, in den es gehört – vielleicht sogar noch zwei Plätze zu hoch.

Erfurt-Fans versauen Union Berlin die Partie

Genauso kann man es sagen. Denn die ersten 25 Minuten spielten die Berliner ein sehenswertes Powerplay, dem der FC Rot-Wei Erfurt wenig entgegen zu setzen hatte. Nach Handspiel eines Erfurter Spielers im eigenen Strafraum entschied Schiedrichter Stefan Trautmann dann in der 25. Minute auf Strafsto. Marco Gebhardt verwandelte souvern zum 1:0 fr Berlin. Ein Zustand, den die Spieler akzeptierten, die Thringer Fans nicht. Es kam zu Ausschreitungen im Erfurter Fanblock, Leuchtkrper wurden gezndet, Gegenstnde flogen auf den Platz, die Polizei musste einschreiten. Die Situation eskalierte derart, dass Trautmann sich zu einer zehnmintigen Spielunterbrechung gezwungen sah.

 

nasser Fuballplatz

 

Nach der Zwangspause hatte Berlin leider sein Konzept verloren und Erfurt schaffte es durch Rockenbach da Silva, noch vor der Pause den Ausgleich zu erzielen.

Der Seitenwechsel brachte auch keine nderung – zumindestens in den ersten zehn Minuten. Insgesamt wurde das Spiel hrter, zahlreiche Fouls lieen kaum noch flssige Kombinationen zu. Doch die Berliner fingen sich und bten bald wieder verstrkt Druck auf das Erfurter Tor aus. Das Siegtor alleine wollte nicht fallen. Entstand von daher: unentschieden, 1:1.

Klares Bekenntnis zur “Alten Frsterei”?

Von einem klaren Bekenntnis zum Stadion des 1. FC Union Berlin, der “Alten Frsterei”, ist da in einer gemeinsam verffentlichten Presseerklrung vom Berliner Fuball-Verband, dem Verein, Vertretern des Bezirks Treptow-Kpenick sowie der Senatsverwaltung fr Inneres und Sport am Freitag die Rede. Doch was ist dieses Bekenntnis wert, erteilte doch Innen- und Sportsenator Ehrhart Krting gerade einen Tag zuvor im Abgeorndetenhaus den millionenschweren Sanierungsplnen eine Absage?

Alleine der Bezirk als Eigentmer des Stadions wird nun erst einmal 300.000 Euro in die Anlage investieren, um wenigstens die Auflagen des Deutschen Fuball-Bundes fr einen Spielbetrieb in der 3. Liga weitestgehend zu erfllen. Das wird allerdings nicht reichen, kann nur ein Teil eines greren Fahrplans sein, wie Union-Prsident Dirk Zingler betonte. Denn nur wenn alle drei Parteien an einem Strang ziehen, wird das Vorhaben “Alte Frsterei” erfolgreich beendet werden knnen. “Das Land Berlin muss sich seiner Veranstaltung stellen und den Bezirk Treptow-Kpenick untersttzen”, sagte Zingler in der Halbzeit des Regionalligaspiels gegen den SV Babelsberg 03 gegenber dem RBB.

Nachtrag:
SV Babelsberg 03 – 1. FC Union Berlin 0:3 (0:2)
Christian Stuff (14.) 0:1
Dustin Heun (43.) 0:2
Dustin Heun (66.) 0:3

Trainer gesucht

ber die irrationale und willkrliche Art, wie Bundesligavereine ihre Trainer auswhlen und warum der Hamburger SV bei der Suche nach einem neuen bungsleiter den richtigen Weg eingeschlagen haben knnte, schreibt heute Peter Unfried bei Spiegel Online. Wrden auch andere Mannschaften mit der Besetzung neuer Posten gewissenhafter und verantwortungsvoller umgehen, dann kme es bestimmt zu weniger Trainerwechseln, es wrden auch mal neue Gesichter in der Szene auftauchen und nicht immer nur die, die sowieso schon bei jedem Verein als Trainer unter Vertrag waren.

Ein hnliches Phnomn ist brigens auch hin- und wieder in anderen Wirtschaftszweigen zu beobachten. Ich erinnere mich da an die Spekulationen und immer wieder neu auftauchende Namen bei der Besetzung von Vorstandsposten bei groen Unternehmen.

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